Wie hoch ist das Risiko zu sterben, und wie verändert es sich mit dem Lebensalter? Diese Frage steht hinter der Suche nach der “Sterberate nach Alter”. Dieser Beitrag erklärt, wie die amtliche Statistik die Sterblichkeit misst, welche Muster sich für Deutschland zeigen und wie man die Zahlen richtig einordnet.
Zuerst: Was bedeutet “Sterberate” eigentlich?
Der Begriff wird im Alltag für mehrere Kennzahlen verwendet. Das Statistische Bundesamt (Destatis) arbeitet vor allem mit der altersspezifischen Sterbewahrscheinlichkeit. Sie gibt an, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Person eines bestimmten Alters vor dem nächsten Geburtstag stirbt. Daraus entsteht die Sterbetafel. Sie zeigt nach Geschlecht getrennt, wie viele Personen eines Ausgangsbestands bis zu einem bestimmten Alter überleben und sterben. destatis
Aus der Sterbetafel wird auch die Lebenserwartung berechnet. Sie ist kein Vorhersagewert für einzelne Menschen, sondern ein Modell. Sie beschreibt, wie lange Neugeborene leben würden, wenn die heutigen Überlebensverhältnisse dauerhaft gelten würden.
Der typische Verlauf: hoch am Anfang, niedrig in der Kindheit, steigend im Alter
Die Sterbewahrscheinlichkeit folgt in Deutschland einem charakteristischen Muster:
Erstes Lebensjahr: Hier ist das Risiko im Vergleich zu den folgenden Kinderjahren erhöht. Danach sinken die Sterbewahrscheinlichkeiten zunächst mit zunehmendem Alter, wobei das Minimum etwa um das Alter zehn herum erreicht wird. destatis
Jugend und junges Erwachsenenalter: Es folgt eine Phase mit sehr niedrigem, relativ gleichbleibendem Risiko. Todesfälle in dieser Gruppe sind überwiegend auf Unfälle und äußere Ursachen zurückzuführen.
Ab etwa 25 Jahren: Das Plateau geht bei beiden Geschlechtern in einen ansteigenden Verlauf über. Von da an steigt die Sterbewahrscheinlichkeit mit jedem Lebensjahrzehnt an. In höheren Altersgruppen nimmt der Anstieg deutlich zu, weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und weitere altersbedingte Erkrankungen häufiger werden. destatis
Lebenserwartung: die aktuellen Eckwerte
Die jüngsten amtlichen Werte stammen aus der Sterbetafel 2023/2025, die Destatis im Juli 2026 veröffentlicht hat. Danach liegt die Lebenserwartung bei Geburt bei 78,8 Jahren für Männer und bei 83,4 Jahren für Frauen. Für 2025 meldet Destatis zudem neue Höchstwerte bei der Lebenserwartung von Frauen und Männern. destatisdestatis
Interessant ist die fernere Lebenserwartung. Sie sagt, wie viele Jahre eine Person eines bestimmten Alters statistisch noch vor sich hat. Für 65-jährige Männer sind es 18,0 Jahre, für gleichaltrige Frauen 21,1 Jahre. Wer das Alter 65 erreicht hat, kann also im Durchschnitt mit einem höheren Endalter rechnen als bei der Geburt. Der Grund: Alle, die vorher gestorben sind, fließen in diese Rechnung nicht mehr ein. destatis
Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung: Der Anstieg der Lebenserwartung hat sich verlangsamt. Nach dem pandemiebedingten Rückgang folgte ein Aufholprozess, der inzwischen weitgehend abgeschlossen ist. destatis
Unterschiede nach Geschlecht und Region
Zwei Faktoren prägen die Statistik besonders stark.
Geschlecht: Frauen leben im Durchschnitt rund viereinhalb Jahre länger als Männer. Dieser Abstand zeigt sich über fast alle Altersstufen hinweg.
Region: Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich. Bei Männern betragen sie bis zu 3,9 Jahre, bei Frauen bis zu 2,4 Jahre. Die niedrigste Lebenserwartung bei Geburt haben Männer in Sachsen-Anhalt mit 76,4 Jahren und Frauen im Saarland mit 82,0 Jahren. Als Gründe gelten unter anderem Einkommen, Bildung, Gesundheitsversorgung und Lebensstil. destatisdestatis
Sterbefälle insgesamt: Zahlen für 2025 und 2026
Die absolute Zahl der Sterbefälle hängt nicht nur von der Sterberate ab, sondern auch von der Altersstruktur. Weil die Bevölkerung altert, sterben bei gleichbleibenden Raten mehr Menschen. Für 2025 meldet Destatis rund 1,0 Millionen Sterbefälle. Für das laufende Jahr gilt: Im ersten Quartal 2026 lagen die Sterbefallzahlen im Bereich der mittleren Werte der Vorjahre. destatisdestatis
Vollständige, nach Alter aufgeschlüsselte Sterbetafeln für das Kalenderjahr 2026 gibt es naturgemäß erst in den kommenden Jahren. Aktuelle Auswertungen zu “2026” beruhen daher auf der neuesten verfügbaren Sterbetafel und auf unterjährigen Sterbefallzahlen.
So lesen Sie die Statistik richtig
Mit Sterbetafeln lassen sich viele Fragen beantworten, aber nicht alle. Drei Punkte sollte man beachten:
Erstens sind Durchschnittswerte keine individuellen Prognosen. Lebensstil, Vorerkrankungen, Einkommen und Wohnort verändern das persönliche Risiko deutlich.
Zweitens ist die Periodensterbetafel eine Momentaufnahme. Sie unterstellt, dass die Verhältnisse von heute für immer bleiben. Medizinischer Fortschritt kann die tatsächliche Lebenserwartung späterer Jahrgänge erhöhen, Krisen und Hitzewellen können sie vorübergehend senken.
Drittens sind Sterberaten und Sterbefallzahlen nicht dasselbe. Steigende Fallzahlen können allein durch den wachsenden Anteil älterer Menschen entstehen.
Fazit
Die Sterberate in Deutschland folgt einem klaren Altersmuster: ein Minimum im Kindesalter, ein niedriges Niveau im jungen Erwachsenenalter und ein stetiger Anstieg ab etwa 25 Jahren. Die Lebenserwartung ist zuletzt auf Höchstwerte gestiegen, wächst aber langsamer als früher. Wer die Zahlen nutzt, sollte sie als statistische Orientierung verstehen und nicht als persönliche Vorhersage.
Weiterführende Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Sterbefälle und Lebenserwartung, Übersicht und Tabellen