Das Insektensterben – also der drastische Rückgang der Anzahl, Biomasse und Artenvielfalt von Insekten – ist eines der größten ökologischen Probleme unserer Zeit. In Deutschland zeigen mehrere langjährige wissenschaftliche Studien, dass dieser Trend nicht lokal, sondern landesweit belegt ist und erhebliche ökologische Folgen hat. (BMU)
Bedeutung von Insekten
Insekten stellen den größten Teil der biologischen Vielfalt dar und spielen zentrale Rollen in Ökosystemen:
- als Bestäuber von Pflanzen,
- als Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere,
- als Zersetzer organischer Stoffe. (Bundesamt für Naturschutz)
In Deutschland kommen rund 33 000 Insektenarten vor, davon sind viele für natürliche Prozesse und landwirtschaftliche Produktion unverzichtbar. (WWF Deutschland)
Zahlen und Trends in Deutschland
1. Dramatischer Biomasse-Rückgang
Eine der bedeutendsten Studien zum Insektensterben belegt, dass die Biomasse fliegender Insekten in deutschen Naturschutzgebieten zwischen 1989 und 2016 um mehr als 75 % zurückgegangen ist – und im Hochsommer sogar um etwa 82 %. (EurekAlert!)
Dies bedeutet, dass die Gesamtmasse aller fliegenden Insekten (also z. B. Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer) in diesen Schutzgebieten heute nur noch rund ein Viertel des früheren Niveaus erreicht. (EurekAlert!)
Diese Messungen sind standardisiert über Jahrzehnte hinweg durchgeführt worden, weshalb sie als aussagekräftig gelten. (PubMed)
2. Artenvielfalt nimmt ab
Neben der Biomasse ist auch die Artenvielfalt betroffen:
- Laut Roten Listen gelten viele Insektenarten als bestandsgefährdet oder selten. (Bundesamt für Naturschutz)
- Nach Angaben des Umweltministeriums sind etwa 42 % der erfassten Insektenarten in Deutschland bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben. (BMU)
3. Rückgänge auch in verschiedenen Lebensräumen
Untersuchungen aus verschiedenen Regionen zeigen, dass Insekten in Wäldern, Grassland und sogar semi-natürlichen Habitaten zurückgehen. Eine Studie aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern etwa zeigte Rückgänge von 51 % bis 65 % bei bestimmten Käfergruppen über zwei Jahrzehnte. (hnee.de)
Ursachen des Insektensterbens
Der Rückgang ist multifaktoriell – also auf mehrere, oft gleichzeitig wirkende Ursachen zurückzuführen. Zu den wichtigsten Faktoren gehören:
Landwirtschaftliche Intensivierung
- Monokulturen, häufiges Mähen, Pestizid- und Düngemitteleinsatz reduzieren sowohl Lebensraum als auch Nahrung für viele Insektenarten. (BMU)
Klimawandel und Wetterextreme
- Längere Hitze- und Dürrephasen sowie unregelmäßige Niederschläge beeinträchtigen Überleben und Reproduktion vieler Arten. (Universität Würzburg)
Licht- und Bodenverschmutzung
- Künstliches Licht in Städten entzieht nachtaktiven Insekten ihre Orientierung; Schadstoffe verschlechtern Lebensräume maßgeblich. (WWF Deutschland)
Lebensraumverlust
- Zersiedelung, Flächenversiegelung und Verlust strukturreicher Lebensräume reduzieren Nist- und Nahrungsplätze. (BMU)
Ökologische und ökonomische Folgen
Der Rückgang der Insekten hat weitreichende Folgen für Ökosystemfunktionen:
- Bestäubungsleistungen: Insekten bestäuben viele Kultur- und Wildpflanzen. Der Verlust kann die Erträge landwirtschaftlicher Produkte mindern. (WWF Deutschland)
- Nahrungsnetze: Vögel, Reptilien, Säugetiere und Fische sind auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen; ihr Rückgang wirkt sich kaskadenartig aus. (WWF Deutschland)
Wirtschaftlich werden Bestäuberleistungen – auch in Deutschland – auf Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, was zeigt, wie enorm der Verlust für Nahrungssysteme und Landwirtschaft sein kann. (WWF Deutschland)
Maßnahmen und gesellschaftlicher Handlungsbedarf
Die Bundesregierung hat mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz ein Strategiepaket aufgelegt, um Trendumkehr zu erreichen – mit Maßnahmen wie:
- Förderung strukturreicher Kulturlandschaften,
- Reduzierung pestizidbedingter Belastungen,
- Schutz und Vernetzung von Lebensräumen. (BMU)
Experten betonen, dass koordinierte Maßnahmen auf regionaler und nationaler Ebene nötig sind, um den Trend zu stoppen. (biooekonomie.de)
Fazit – Was sagen die Daten?
- Massiver Biomasse-Rückgang: Über 75 % weniger fliegende Insekten in deutschen Schutzgebieten über rund drei Jahrzehnte. (EurekAlert!)
- Hoher Anteil gefährdeter Arten: Mehrere Zehntausend Insektenarten sind in Deutschland betroffen, viele davon bedroht. (BMU)
- Multifaktorielle Ursachen: Landwirtschaft, Klimawandel, Lebensraumverlust und Pestizide wirken zusammen. (BMU)
- Ökologische Risiken: Der Verlust von Insekten gefährdet Bestäubung, Nahrungsnetze und Biodiversität – mit potenziell hohen ökonomischen Kosten. (WWF Deutschland)
Das Insektensterben ist mehr als nur ein Naturphänomen – es betrifft unsere Nahrungsproduktion, Lebensräume und die gesundheitliche Stabilität ganzer Ökosysteme. Die Statistik zeigt nicht nur einen Trend, sondern einen sehr ernsten Zustand, der langfristige gesellschaftliche Antworten verlangt.
Wenn du möchtest, kann ich aktuelle Grafiken zum Insektenrückgang in Deutschland oder Vergleiche mit anderen Ländern/Regionen zusammenstellen. Sag einfach Bescheid!