Die Lebenserwartung in Deutschland hat 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Doch der bundesweite Durchschnitt verdeckt teils deutliche regionale Unterschiede: Zwischen dem Bundesland mit der höchsten und dem mit der niedrigsten Lebenserwartung liegen bei Männern fast vier Jahre. Dieser Beitrag zeigt die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts im Bundesländervergleich und ordnet ein, worauf die Unterschiede zurückzuführen sind.
Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um eine Steuer- oder Rechtsberatung. Der Artikel wurde mit großer Sorgfalt recherchiert. Dennoch sind alle Angaben, insbesondere zu Kosten oder Preisen ohne Gewähr und können sich jederzeit ändern. Der Artikel wurde am 12.09.2026 veröffentlicht und zuletzt am 12.09.2026 editiert.
Lebenserwartung bei Geburt nach Bundesland 2026
Grundlage der folgenden Tabelle ist die aktuelle Periodensterbetafel 2023/2025 des Statistischen Bundesamts. Sie zeigt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt, getrennt nach Männern und Frauen, für alle 16 Bundesländer.
| Bundesland | Männer (Jahre) | Frauen (Jahre) |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 80,28 | 84,41 |
| Bayern | 79,73 | 84,03 |
| Sachsen | 78,38 | 84,23 |
| Hamburg | 78,79 | 83,34 |
| Berlin | 78,74 | 83,58 |
| Hessen | 79,24 | 83,52 |
| Rheinland-Pfalz | 78,98 | 83,24 |
| Schleswig-Holstein | 78,67 | 82,91 |
| Nordrhein-Westfalen | 78,48 | 82,84 |
| Brandenburg | 78,06 | 83,68 |
| Niedersachsen | 78,23 | 82,82 |
| Thüringen | 77,73 | 83,38 |
| Saarland | 77,88 | 82,03 |
| Bremen | 77,18 | 82,26 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 76,76 | 83,13 |
| Sachsen-Anhalt | 76,37 | 82,51 |
| Deutschland gesamt | 78,82 | 83,43 |
Baden-Württemberg führt bei Männern wie bei Frauen die Rangliste an und ist bereits seit längerer Zeit das Bundesland mit der höchsten Lebenserwartung bei Geburt. Bei den Männern liegt Sachsen-Anhalt mit 76,37 Jahren am unteren Ende, bei den Frauen weist das Saarland mit 82,03 Jahren den niedrigsten Wert auf. Die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Landeswert beträgt bei Männern rund 3,9 Jahre und bei Frauen rund 2,4 Jahre.
Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren
Auch für ältere Menschen unterscheidet sich die verbleibende Lebenserwartung deutlich nach Bundesland. Bundesweit haben 65-jährige Frauen im Schnitt noch etwa 21,1 weitere Lebensjahre vor sich, 65-jährige Männer etwa 18,0 Jahre. Am höchsten liegt die verbleibende Lebenserwartung 65-jähriger Männer in Baden-Württemberg mit 18,89 Jahren, am niedrigsten in Sachsen-Anhalt mit 16,83 Jahren – ein Unterschied von rund zwei Jahren. Bei Frauen zeigt sich ein ähnliches Muster: Sachsen und Baden-Württemberg liegen mit rund 21,8 Jahren an der Spitze, während das Saarland mit 20,28 Jahren das Schlusslicht bildet.
Entwicklung auf Bundesebene
Nach der aktuellen Sterbetafel 2023/2025 liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland insgesamt bei 78,8 Jahren für Männer und 83,4 Jahren für Frauen. Damit hat sich der Wert im Vergleich zur ersten allgemeinen Sterbetafel von 1871/1881, als er noch bei 35,6 Jahren für Männer und 38,5 Jahren für Frauen lag, mehr als verdoppelt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Lebenserwartung bei Geburt zuletzt um rund zwei Monate bei Frauen und rund drei Monate bei Männern, sodass die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Sterblichkeit inzwischen weitgehend ausgeglichen sind.
Warum unterscheidet sich die Lebenserwartung zwischen den Bundesländern?
Mehrere Faktoren tragen zu den regionalen Unterschieden bei:
- Sozioökonomische Struktur: Regionen mit höherem durchschnittlichem Einkommen und Bildungsniveau weisen tendenziell eine höhere Lebenserwartung auf.
- Gesundheitsversorgung und Infrastruktur: Die Dichte und Erreichbarkeit medizinischer Versorgung unterscheidet sich zwischen städtischen und ländlichen Regionen sowie zwischen den Bundesländern.
- Lebensstil und Gesundheitsverhalten: Faktoren wie Ernährung, Bewegung und Rauchverhalten variieren regional und wirken sich langfristig auf die Sterblichkeit aus.
- Historische Ost-West-Unterschiede: Nach der deutschen Wiedervereinigung glich sich die Lebenserwartung in den ostdeutschen Bundesländern durch Verbesserungen in der medizinischen Versorgung und den allgemeinen Lebensbedingungen zunächst rasch an das westdeutsche Niveau an. Während der Coronapandemie, von der ostdeutsche Bundesländer stärker betroffen waren, wuchs die Differenz zwischen Ost und West zeitweise wieder an.
Warum werden Dreijahreszeiträume verwendet?
Die amtliche Statistik berechnet vollständige Sterbetafeln mit allen Detailinformationen standardmäßig für Dreijahreszeiträume, um übliche Schwankungen zwischen einzelnen Kalenderjahren auszugleichen. Diese sogenannten Periodensterbetafeln bilden zugleich die Grundlage für Versicherungsbarwerte sowie für bestimmte rechtliche und steuerliche Zwecke. Sie unterscheiden sich von Kohortensterbetafeln, die den tatsächlichen Lebensverlauf eines bestimmten Geburtsjahrgangs über dessen gesamte Lebensspanne abbilden und daher naturgemäß auf Annahmen zur zukünftigen Sterblichkeitsentwicklung angewiesen sind.
Fazit
Auch wenn die Lebenserwartung in Deutschland insgesamt einen neuen Höchststand erreicht hat, bestehen zwischen den Bundesländern weiterhin spürbare Unterschiede von bis zu vier Jahren bei Männern und über zwei Jahren bei Frauen. Baden-Württemberg liegt bei beiden Geschlechtern an der Spitze, während Sachsen-Anhalt bei Männern und das Saarland bei Frauen die niedrigsten Werte aufweisen. Die Ursachen dafür sind vielschichtig und reichen von sozioökonomischen Faktoren über die Gesundheitsversorgung bis zu historisch bedingten Unterschieden zwischen Ost und West.
Quellen
- Statistisches Bundesamt – Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland
- Statistisches Bundesamt – Durchschnittliche fernere Lebenserwartung in den Bundesländern für Männer
- Statistisches Bundesamt – Durchschnittliche fernere Lebenserwartung in den Bundesländern für Frauen
- Statistisches Bundesamt – Pressemitteilung: Lebenserwartung bei Geburt 2025 auf neue Höchstwerte gestiegen
- Statistisches Bundesamt – Sterbefälle und Lebenserwartung (Themenseite)
Hinweis: Die Werte basieren auf der Periodensterbetafel 2023/2025 des Statistischen Bundesamts (Stand 7. Juli 2026) und stellen statistische Durchschnittswerte dar. Sie treffen keine Aussage über die individuelle Lebenserwartung einer einzelnen Person.